Vor zwei Jahren stand Django Djangos Drummer / Producer David Maclean im Backstage-Bereich eines Festivals in Chicago und unterhielt sich mit einer Gruppe von Leuten, als er mehr zufällig seine Augen himmelwärts richtete. “Es war absolut beeindruckend”, erinnert er sich. “Der Himmel sah aus wie eine gewaltige Marmorplatte. Wir standen alle da und starrten sie an. Das hat etwas ausgelöst…” Maclean notierte sich noch an Ort und Stelle die Worte Marble Skies, nun der Titel des mit großer Spannung erwarteten dritten Albums der Band – und ein sehr typischer Django-Django-Titel, der auf das selbstbetitelte, für den Mercury Prize nominierte Debütalbum (2012) und den Nachfolger Born Under Saturn (2015) folgt und erneut das Faible der Band für alles Ursprüngliche und Elementare unterstreicht.

 

ALBUM: Marble Skies (26.01.2018, Because / Caroline International)

 

Eine ungewöhnliche Band

Die Karriere der Jungs begann in London, angefangen mit der Veröffentlichung einer beeindruckenden Serie von Singles (“Storm/Love’s Dart”, “WOR”, “Waveforms”, “Default”) und gefolgt von ihrem von der Kritik gefeierten Debütalbum. Django Django machten Musik, die es so noch nicht gab: Die Band mixte US-Garage-Rock á la The Monks mit den verspielten Klangreisen eines Beck, angereichert mit einer Prise unbekümmerten, surrealistischen Humors von The Bonzo Dog Doo-Dah Band.

Django Django sind auch in dem Sinne eine ungewöhnliche Band, dass alle vier Mitglieder nicht nur zu der Musik beitragen, sondern auch zu den Melodien und Texten. “Oftmals sitzen wir einfach mit einer kleinen Melodie herum und suchen dann die passenden Worte dazu”, sagt Neff. “Wir zerbrechen uns nicht endlos über die Dinge den Kopf. Was auch immer uns in den Sinn kommt, schreiben wir auf und spielen es ein.”

Marble Skies –  Ein Album des Nachsinnens über Vergangenes und Gegenwärtiges

Nach den Rave-inspirierten Grooves und ausgedehnten Arrangements des Vorgängers ist Marble Skies eine prägnantere und konzentriertere Angelegenheit, die mehr an die Genre-verwischende Musik ihres Debüts erinnert. “Ich denke, es ist definitiv das stärkste Werk, das wir bis heute abgeliefert haben”, sagt Maclean, der trotz seiner Fähigkeiten als Drummer immer dann am meisten in seinem Element ist, wenn er die Tracks der Band produziert.  Wurde der Vorgänger Born Under Saturn in einem – nach den Worten von Django Django – “amtlichen” Studio aufgenommen (die Band umgeben von einer spektakulären Bandbreite an Vintage-Synthesizern), entschied man sich für Marble Skies, zum Cut-und-Paste-Ansatz des ersten Albums Django Django zurückzukehren.

Auf Teilen ihres dritten Albums segeln Django Djangos in unbekannten Gewässern, nicht zuletzt im treibenden Titeltrack (angeführt von Anna Priors Schlagzeugspiel), in dem Krautrock und Suicide durchklingen. Im Kontrast dazu steht der trippige, fröhliche Rock auf “Tic Tac Toe”, der mit seiner enormen, widerhallen Hookline Fans der Band ob seiner Rockabilly-beeinflussten Elemente begeistern wird und ihren Ursprung in derselben dereinst eingespielten Jam hat, die auch “WOR” und Born Under Saturn’s “Shake & Tremble” hervorbrachte. “Wir haben es also mit anderen Worten geschafft, aus dieser Jam drei Songs herauszubekommen”, sagt Maclean. “Ich würde sagen, sie sind eine Art Triptychon.”

Der schemenhafte, Zombie-artige Summer-Pop von “Champange” erkundet derweil die Freuden und Leiden des Alkohols. Der Song wurde von einer Bootstour auf der Seine inspiriert, welche die Djangos auf Einladung ihres Labels unternahmen: “Es gab nur die besten Weine und wir betranken uns restlos”, gibt Neff mit einem Grinsen zu. “Aber es war ein ziemliches Erlebnis, auf diese Weise die Seine hinab zu schippern.” All jene, die sich mehr von der Dance-orientierten Seite Django Djangos angesprochen fühlen, werden den verwinkelten Electro-Pop in “Your Beat” und das von jamaikanischem Dancehall beeinflusste “Surface To Air” lieben, ein versonnener Popsong, dem Rebecca Taylor von Slow Club ihre Stimme leiht. Die Zusammenarbeit war das Ergebnis eines Zusammentreffens beider Bands beim South By Southwest in Austin, Texas vor einigen Jahren, wo besonders Taylor und Maclean über gemeinsame musikalische Vorlieben zusammenfanden.

Ein weiterer überraschender Gast auf Marble Skies ist Jan Hammer, der in Tschechien geborene und heute in Amerika lebende Jazz-Fusion- und Electro-Künstler, der sich mit der Band die Writing Credits für das wunderschön dahinfließende “Sun Dials” teilt. Der Track begann damit, dass Maclean Hammers “The Seventh Day” (enthalten auf dessen 1975er-Album The First Seven Days) sampelte und Grace dann das Piano-Riff ausarbeiten sollte, bevor die Band dem Musiker e-mailte, um sich die Erlaubnis für die Verwendung des Stückes zu holen. Wenn es so etwas wie eine Grundstimmung auf Marble Skies gibt, so ist es eine des Nachsinnens über Vergangenes und Gegenwärtiges, und dass man eine Art inneren Frieden mit seinem Platz in der großen weiten Welt schließt.

Das sind also Django Django, wie wir sie 2017 vorfinden: älter, höchstwahrscheinlich weiser – und doch so packend und unvorhersehbar wie eh und je.

Im März auf Tour

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