Es gibt aktuell wenige Künstler, die ihre Musik mit ausdrucksstärkeren Videos versehen als der Franzose Rone. „Wave“ ist eine weitere Auskopplung aus seinem letztjährigen Album „Mirapolis“. Gemeinsam mit dem Regisseur Greg Barth lässt er „Second Life“ wieder auferstehen – nur mit irritierendem Cybersex; in einem Netzwerk, in dem man für die Privatsphäre dann doch lieber ein Premium-Abo abschließen sollte.

Facebook, Google, Microsoft und HTC werden nicht begeistert davon sein, aber: Bevor die Heilsversprecher nicht die Porno-Kanäle freischalten, wird die VR weiter ein Schattendasein führen. Da kann die Technik noch so gut sein bzw. immer besser werden. Außerdem winkt genau dort das Geld. Rone zeigt das in dem Video zu „Wave“: William Gibson wäre stolz auf Regisseur Greg Barth.

Eine unschuldige Szene. Die junge Frau nähert sich langsam dem ebenso jungen Mann, die Szenerie erinnert an ein türkisches Bad mit abstrakt und doch einladend wirkendem Interieur. Was die beiden wollen, bzw. gleich machen werden, ist sofort klar – Sex. Über die Rollenverteilung reden wir ein andermal. Dass das alles nicht echt ist, ist auch fast sofort klar: Hier wird nicht miteinander gesprochen, hier werden Chat-Verläufe eingeblendet. Das Paar trifft sich in „Second Love“, einem Netzwerk für virtuellen Sex, mit fragwürdiger Privatsphäre und voller Bugs. Der Typ mit angetäuschtem Drake-Bart hat schwere Rendering-Probleme, und sobald die junge Frau ihre Zweifel hinter sich lässt, werden beide von überzeichneten Animé-Charakteren beäugt und als Wichs-Vorlage missbraucht. Hoppla.

Es ist schnell vorbei. Wer kann sich schon auf eine Illusion einlassen, die permanent glitcht und von Comic-Voyeuren angestarrt wird? Ein Schnitt zurück in die „Realität“. Die junge Frau ist gar nicht jung, hat Datenhandschuhe an und ein Tablet vor sich. Second Love fragt, wie die experience denn so war. Drei von fünf Sternen. Und ob man dem 28-jährigen Ricky nicht ein Trinkgeld rüberspielen will: ein Dollar. Das klingt alles nicht nach einer Session, die man im Tagebuch niederschreiben möchte, die Zombie-Zuschauer, so scheint es, kann die Frau aber beim nächsten Mal ausschließen. Einfach ein Premium-Abo abschließen – für mehr Privatsphäre. So ist „Waves“ nicht nur ein toller Song – nicht zuletzt wegen der tollen Vocals von Noga Erez –, sondern auch ein Lehrstück in Sachen digitaler Realität. Das geht so nicht. Es gibt einen Grund dafür, warum „Second Life“ verreckt ist und „Second Love“ so nie Wirklichkeit werden darf. Was natürlich ein frommer Wunsch für eine bessere Welt bleibt. Denn nicht nur Facebook, Google, Microsoft und HTC wissen, wie VR funktioniert, sondern auch die Venture-Kapitalisten, die YouPorn groß gemacht haben.

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